Home
1998
Meldung 24.11.1998
19. November 1998
29. Juli 1998
28. Juli 1998
17. Juli 1998
14. Juli 1998
10. Juli 1998
18. Juni 1998
Kommentar
15. Juni 1998
BuiltByNOF
Geburtshaus oder Klinik - Streit im Landkreis Fulda:

Kommentar von Christoph Käppeler

Geburtshaus oder Klinik - diese Alternativen als Ort, ihr Kind auf die Welt zu bringen, bestehen heute für jede Mutter. Und für beides gibt es Argumente. Die Befürworterinnen von Geburtshäusern behaupten, daß im Geburtshaus bei der Geburt viel weniger danebengeht, weil die Mutter zum Beispiel keine wehenfördernden Mittel bekommt, die Atmosphäre für sie viel angenehmer ist - was sich auch wieder positiv auswirke. Schließlich sei Schwangerschaft keine Krankheit, sondern etwas ganz natürliches und wünschenswertes.
Die Ärzte und Kliniken halten dem entgegen: Es bleibt eine Sicherheitslücke. Wenn während der Geburt etwas unvorhergesehens passiert, ist die Hilfe im Krankenhaus sofort da; im Geburtshaus muß sie erst mit Blaulicht und Martinshorn herbeieilen.

Eins fällt im Gespräch auf mit Ärzten und Hebammen: Beide Seiten sind in der Regel zu bewundern für ihre Motivation und ihr Engagement. Die Geburts- und Kindermediziner geben ihr Bestes; aber auch die Hebammen sind qualifiziert. Und so gibt es Frauen, die in der Klinik entbunden haben, die ihre Ärzte loben, und Frauen, die im Geburtshaus entbunden haben, und von dem entspannten Geburtserlebnis in persönlich betreuter Atmosphäre schwärmen.

Das sind doch auf beiden Seiten Qualifikationen, die sich prima ergänzen könnten. Eigentlich wäre die Lösung doch: Ein Geburtshaus zu bauen, das so geschickt in eine Klinik eingebaut wird, daß sie eigenständig ist, aber im Notfall die Ärzte jederzeit sofort dasein können.

Leider aber ist dies nicht nur aus Geldgründen illusorisch: Denn: Die Diskussion ist hochgradig ideologisiert. Und auch von Interessen bestimmt, die nichts mit den Interessen von Mutter und Kind zu tun haben - Standesinteressen der Ärzte; bei den Hebammen Mißtrauen gegen Ärzte, die angeblich eine schwangere Frau gar nicht verstehen und deshalb ihr nicht so gut wie sie helfen können.

So wird wenigstens die Konkurrenz vielleicht einiges ändern: Der Leiter der Fuldaer Frauenklinik möchte gerne eine heimeligere Geburtsstation mit Rooming-In schaffen - und so der Klinik das seelenlose nehmen, das manche Frau ins Geburtshaus treibt. Bezeichnenderweise aber will er das nicht in Zusammenarbeit mit den Hebammen des Geburtshauses tun. Bei so viel Vorbehalten gegeneinander würde das wohl auch keine gute Arbeitsatmosphäre zum Wohle von Müttern und Kindern ergeben.

Trotzdem bleibt ein schales Gefühl: Denn werdende Mütter werden so von beiden Seiten der Forderung ausgesetzt: "Entweder Du entscheidest Dich für mich oder für die anderen".

Erstrebenswert, finde ich, bleibe es deshalb trotz allem, wenn in einer etwas weiteren Zukunft die beiden Lager - Geburtshaushebammen und Frauenärzte aus Kliniken und Praxen - produktiv zusammenfinden könnten.

 18. Juni 1998

zurück zu: "Geburtshaus oder Klinik - Streit im Landkreis Fulda"

zurück zur Homepage



© 1998 Christoph Käppeler

[Home] [2007] [2006] [2005] [2004] [2003] [2002] [2001] [2000] [1999] [1998] [1997] [1995] [Fuldaer Foaset] [Rhöner Mundart] [Juden in Fulda]